Aktionstag Straßenkind für einen Tag in der Tübinger Innenstadt
Tübingen (Oliver Haller)
Ein festes Dach über dem Kopf zu haben, ist auch in Deutschland für viele Kinder keine Selbstverständlichkeit. Am Donnerstag, 20. November, schlüpften in der Tübinger Innenstadt rund 90 Schülerinnen und Schüler in die Rolle von Straßenkindern, um auf die Situation benachteiligter Jugendlicher aufmerksam zu machen und für das Kinderhilfswerk terre des hommes Spenden zu sammeln. Anlass war der Jahrestag der Verabschiedung der UN-Kinderrechtskonvention am 20. November 1989.
br>Besonders engagiert zeigten sich die achten Klassen des Wildermuth-Gymnasiums. Wie schon im letzten Jahr konnte Patricia Veeser von der Klasse 8 b viele Schülerinnen und Schüler ihrer Jahrgangsstufe zum Mitmachen anregen. Beim Toom-Markt und am Depot putzten einige von ihnen Autoscheiben, verkauften Zeitungen oder boten Streichhölzer und Holztiere an. Am Busbahnhof, in der Neckargasse und am Stadtmuseum wurden Waffeln gebacken und Kuchen verkauft.
Merlin Beurskens, Peter Wiedmann und Jakob Gaubatz aus der Klasse 8 d sind zu dritt mit einem Bauchladen durch die Altstadt gelaufen und haben Spenden gesammelt. Zwar zeigten sie sich enttäuscht über die Reaktionen einiger Passanten. Viele hätten sich nicht für die Aktion interessiert, erzählt Merlin. Einer hat gesagt: "Davon halte ich nichts", fügt Jakob hinzu. Dennoch waren sie schließlich sehr zufrieden über ihre gut gefüllte Spendenbüchse.
Stephanie Bäzner, die als Referendarin in der Klasse 8 c Erdkunde unterrichtet, hat ihre Schüler in mehreren Schulstunden auf die Probleme von Straßenkindern aufmerksam gemacht. Einige von ihnen verteilten Infomaterialien an der Stiftskirche, setzten sich in Pappkartons an den Brunnen am Holzmarkt, musizierten oder befragten Passanten über ihre Kenntnisse zum Thema Straßenkinder.
Aline Haag, Schulsprecherin des Carlo-Schmid-Gymnasiums, hat mit einigen Mitschülerinnen vor dem Eingang zum Nonnenhaus einen besonders vielseitigen Stand aufgebaut. Neben Infomaterialien wurden auch Kaffee, Kuchen und Luftballons für Kinder verteilt. Andere Schülerinnen des Carlo-Schmid-Gymnasiums putzten Schuhe oder packten im Nonnenhaus Waren in Papiertüten von terre des hommes.
Am Ende des Aktionstages freute sich Renate Zimmermann von der Kinderschutzorganisation terre des hommes sehr über die rege Beteiligung der Schüler. Die Kinder haben sich toll engagiert, lobte sie. Es komme nicht nur auf die Spenden an. Wichtig sei auch die Erfahrung, sich wenigstens für einige Stunden in den Alltag eines Straßenkindes hineinzuversetzen.
Der Erlös der Aktion kommt in diesem Jahr Kindern und Jugendlichen zugute, die in Berlin und Kambodscha auf der Straße leben. In Berlin unterstützt terre des hommes den Verein Fixpunkt, der sich um Obdachlose, Straßenkinder und männliche Prostituierte kümmert, und den Verein Karuna, der unter anderem eine rollende Suppenküche für obdachlose Jugendliche anbietet. In Kambodscha wird das Psar Depot Street Children Center gefördert, in dem Straßenkinder unterkommen und Schulunterricht erhalten können.

