Straßenkinder in der Tübinger Innenstadt

Rund 30 Schüler engagieren sich für die Kinderschutzorganisation terre des hommes

Tübingen (Oliver Haller)
Alljährlich erinnert „terre des hommes“ am 20. November mit dem Aktionstag „Sichtwechsel – Straßenkind für einen Tag“ an die Verabschiedung der UN-Kinderrechtskonvention am 20. November 1989. Unter der Leitung der Tübinger Arbeitsgruppe beteiligten sich in diesem Jahr Schülerinnen und Schüler der Mörikeschule in Derendingen und des Carlo-Schmid-Gymnasiums daran. Am Holzmarkt errichteten Mörike-Schüler einen Stand, an dem sie von 9 bis 14 Uhr Artikel wie Holztiere, Bilder, Bücher, CDs und Postkarten in einem Flohmarkt gegen Spenden anboten. Einige ihrer Mitschüler trugen die Waren auch auf einem Bauchladen durch die Innenstadt. Selina Maisch und Miriam Maigler aus der Klasse 8 b kamen auf die Idee, für den Aktionstag Kuchen zu backen: Marmorkuchen, Muffins, Zitronen- und Aprikosenkuchen gehören zu ihrem Angebot. „Die Reaktion ist ganz gut, die Leute interessieren sich für die Aktion. Einige haben einfach so etwas gespendet, ohne etwas dafür zu verlangen“, erzählt Selina.
Als Teilnehmer der Arbeitsgemeinschaft (AG) „Leben auf der Straße“ waren die Mörike-Schüler seit Beginn des Schuljahres auf die Aktion vorbereitet worden. Jennifer Rösner von der Tübinger Arbeitsgruppe von „terre des hommes“ leitet die AG, die von Hauptschülern der Klassen 7 bis 9 besucht wird. Das, was sie ihnen dort wöchentlich vermitteln möchte, fasst sie in fünf Punkten zusammen: „Wie leben Straßenkinder, welchen Gefahren sind sie ausgesetzt, was haben wir in Deutschland mit ihnen zu tun, wie können wir sie schützen und wie können wir ihnen eine Zukunft geben?“ Mischa Groh, der die AG in der Vorwoche vertretungsweise geleitet hatte, hatte mit den Schülern über das Thema „Straßenkinder“ diskutiert und sie mit einem Rollenspiel auf den Aktionstag vorbereitet. „Es hat die Schüler begeistert, in die problematische Situation von Straßenkindern zu schlüpfen“, sagt er.
Mitglieder der „Sozialie“-Gruppe aus der Schülermitverantwortung (SMV) des Carlo-Schmid-Gymnasiums errichteten in der Neckargasse einen Stand, an dem sie neben Kuchen, Kaffee, Tee und Punsch auch Informationsmaterialien anboten. Zur „Sozialie“-Gruppe gehören Schülerinnen und Schüler der Unter-, Mittel- und Oberstufe, die beispielsweise am Welt-Aids-Tag oder am 20. November die Initiative ergreifen, um sich für benachteiligte Mitmenschen zu engagieren. Zu den Schülern des Carlo-Schmid-Gymnasiums, die in der Innenstadt Spenden sammeln, gehören auch Hanna Jacobi und Deborah Trede aus der Klasse 9 a. Zwischen neun und halb zwölf Uhr waren sie schon an der Neckarbrücke, beim Nonnenhaus und im westlichen Teil der Altstadt. „Einige Schüler hatten noch vom letzten Jahr Erfahrung mit der Aktion“, erzählt Hanna. Bereits 2007 und 2008 beteiligte sich das Carlo-Schmid-Gymnasium am Straßenkinder-Aktionstag.
Der Spendenerlös des Jahres 2009 geht an die Organisation „Creciendo Unidos“, die von „terre des hommes“ unterstützt wird. In den Räumen von „Creciendo Unidos“ in der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá können Kinder und Jugendliche eine Ausbildung in handwerklichen Berufen und im Bereich der EDV absolvieren und einen Abschluss erwerben. Ein wichtiges Ziel der Tübinger Arbeitsgruppe besteht darin, Freiwillige für sogenannte „Kinderrechts-Teams“ zu gewinnen, die sich mit anderen Teams bundesweit vernetzen und sich für Kinderhilfsprojekte engagieren.