Prominente Bundestagskandidaten im Interview mit der terre-des-hommes-Arbeitsgruppe Tübingen

Oliver Haller von der Tübinger Arbeitsgruppe von terre des hommes befragte Bundestagskandidaten im Wahlkreis Tübingen zu ihrem Engagement für sozial benachteiligte Kinder in Deutschland

Bei den Kandidaten, deren Stellungnahmen im Wortlaut wiedergegeben werden, handelt es sich um:

Frage 1 Die Europäische Union will die Quote für die offiziellen Entwicklungshilfeleistungen (Official Development Assistance, ODA) bis 2015 auf die von den Vereinten Nationen geforderten 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens steigern. Die deutsche Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul unterzeichnete im Jahr 2005 eine Absichtserklärung, der zufolge das 0,7-Prozent-Ziel bis 2015 umgesetzt werden soll. Derzeit gehört Deutschland zur Gruppe derjenigen EU-Länder, deren ODA-Quote unter 0,51 Prozent des Bruttonationaleinkommens liegt.

Welche Bedeutung messen Sie angesichts der Finanz- und Wirtschaftskrise einer Erhöhung der Quote für die offiziellen Entwicklungshilfeleistungen bei?

Heike Hänsel (Die LINKE) | Winfried Hermann (Bündnis 90/Die Grünen) | Dr. Martin Rosemann (SPD) | Anette Widmann-Mauz (CDU)


Frage 2 Die Bundesrepublik Deutschland hat die UN-Kinderrechtskonvention am 26. Januar 1990 unterzeichnet und am 5. April 1992 ratifiziert. Die damalige Bundesregierung hat allerdings fünf Vorbehalte geltend gemacht. Der umstrittenste Vorbehalt betrifft das Asyl- und Ausländerrecht. Demnach könne die Kinderrechtskonvention ''dahin ausgelegt werden, dass die widerrechtliche Einreise eines Ausländers in das Gebiet der Bundesrepublik Deutschland oder dessen widerrechtlicher Aufenthalt dort erlaubt ist''. Außerdem behalte sich die Bundesregierung vor, ''Unterschiede zwischen Inländern und Ausländern zu machen.'' Dies führt in der Praxis dazu, dass die Kinderrechte für ausländische Kinder ohne geregelten Aufenthaltstitel nur eingeschränkt gelten - mit gravierenden Nachteilen bei der medizinischen Versorgung, Schule und Ausbildung bis hin zu nicht kindgerechter Behandlung im Asylverfahren und bei Abschiebungen.

Wie bewerten Sie diesen Vorbehalt, und würden Sie seiner Abschaffung zustimmen?

Heike Hänsel (Die LINKE) | Winfried Hermann (Bündnis 90/Die Grünen) | Dr. Martin Rosemann (SPD) | Anette Widmann-Mauz (CDU)


Frage 3 Viele Jugendliche und junge Erwachsene in Tübingen befinden sich in einer schwierigen sozialen Situation. Im Juli 2009 lag die Zahl der Jugendlichen im Alter von 15 bis unter 25 Jahren, die bei der Tübinger Geschäftsstelle der Bundesagentur für Arbeit arbeitslos gemeldet waren, um 53,9 Prozent höher als im Vorjahresmonat. Zehn von 85 Personen, die von der Stadtverwaltung Tübingen zur Vermeidung von Obdachlosigkeit polizeirechtlich eingewiesen worden waren, waren im August 2009 zwischen 18 und 26 Jahre alt. Von 2005 bis 2008 stieg die Zahl der 18- bis einschließlich 26-Jährigen, die bei der Wohnungslosenhilfe Tübingen gemeldet waren, von 26 auf 50.

Wie werden Sie sich für Kinder und Jugendliche in Tübingen einsetzen, die von Arbeitslosigkeit, Wohnungsnot oder dem Abgleiten in die Kriminalität bedroht sind?

Heike Hänsel (Die LINKE) | Winfried Hermann (Bündnis 90/Die Grünen) | Dr. Martin Rosemann (SPD) | Anette Widmann-Mauz (CDU)


Frage 4 Dass Kinder Rechte haben, steht außer Frage. Dennoch spielen die Interessen der Kinder und Jugendlichen in Deutschland immer noch eine Nebenrolle. Ihre Stimmen werden bei Entscheidungen in Politik und Verwaltung kaum gehört.

Was halten Sie von einer Verankerung von Kinderrechten im Grundgesetz?

Heike Hänsel (Die LINKE) | Winfried Hermann (Bündnis 90/Die Grünen) | Dr. Martin Rosemann (SPD) | Anette Widmann-Mauz (CDU)